Zum Inhalt springen

Webhosting-Vergleich: Worauf es technisch wirklich ankommt

Sechs deutsche Anbieter nebeneinander – und die Merkmale, an denen sich Tarife wirklich unterscheiden: Prozesslimits, PHP-Umschaltung, Backup-Rückspielung und SSH.

Zuletzt geprüft: Gedacht für: Auswahl vor dem ersten Vertrag

Das Wichtigste

  • SSH ist das Merkmal, das die Anbieter am deutlichsten trennt: bei IONOS, STRATO und netcup in jedem Tarif, bei ALL-INKL und Hetzner erst ab der mittleren Stufe.
  • Speicherplatz und Traffic sind bei fast allen Anbietern reichlich bemessen und deshalb kein sinnvolles Auswahlkriterium.
  • Entscheidend sind Prozess- und Speicherlimits pro Konto: Sie bestimmen, ab wie vielen gleichzeitigen Zugriffen die Seite langsam wird – und genau sie stehen in keiner der sechs Tarifübersichten.
  • Backup-Aufbewahrung und die Möglichkeit zur Selbstwiederherstellung trennen Tarife stärker als der Preis.

Tarifvergleiche stellen meist Speicherplatz, Traffic und Domainanzahl nebeneinander. Diese drei Werte unterscheiden gängige Angebote am wenigsten – und sagen über die tatsächliche Leistung fast nichts aus.

Diese Seite geht deshalb in zwei Schritten vor: zuerst die Merkmale, an denen sich Tarife im Betrieb wirklich unterscheiden, danach sechs verbreitete Anbieter an genau diesen Merkmalen gemessen.

Die Merkmale, an denen sich Tarife wirklich unterscheiden

Prozess- und Speicherlimits. Auf Shared Hosting teilst du dir eine Maschine. Der Anbieter begrenzt, wie viele PHP-Prozesse dein Konto gleichzeitig ausführen darf und wie viel Speicher jeder bekommt. Genau dieser Wert bestimmt, ab wie vielen gleichzeitigen Besuchern deine Seite anfängt zu warten. Er steht selten in der Tarifübersicht und meist in der Dokumentation.

PHP-Versionen und Umschaltbarkeit. Wichtig sind zwei Dinge: Werden neue Versionen zeitnah angeboten, und lässt sich die Version pro Domain oder Verzeichnis setzen? Wer mehrere Projekte auf einem Konto betreibt, kann sonst keines aktualisieren, ohne alle gleichzeitig zu migrieren.

Backup-Aufbewahrung und Selbstwiederherstellung. Fast jeder Anbieter sichert. Die Unterschiede liegen darin, wie lange, wie oft, ob Datenbanken mitgesichert werden und – der wichtigste Punkt – ob du selbst zurückspielen kannst oder ein Ticket schreiben musst. Ein Backup, das nur der Support einspielt, kostet im Ernstfall Stunden.

SSH-Zugang. Ohne SSH keine Composer-Installation, keine vernünftigen Datenbank-Dumps, kein Debugging am laufenden System. Bei manchen Anbietern ist SSH erst ab dem mittleren Tarif dabei.

Datenbanken: Anzahl und Grösse. Mehrere Projekte brauchen mehrere Datenbanken. Und manche Tarife begrenzen die Grösse pro Datenbank – für einen wachsenden Shop ist das eine harte Grenze.

Cronjobs. Anzahl und kleinstes Intervall. Ein Tarif, der nur stündliche Aufrufe erlaubt, macht jede Warteschlangenverarbeitung träge.

Mail. Anzahl der Postfächer, Speicher je Postfach, Weiterleitungen, Catch-All, SPF- und DKIM-Verwaltung. Wer eigene Absenderdomains einrichten will, braucht Zugriff auf die DNS-Einträge.

Sechs Anbieter, an denselben Merkmalen gemessen

Die folgende Übersicht nimmt sechs im deutschsprachigen Raum verbreitete Anbieter und trägt ein, was am 13. August 2026 in ihrer eigenen Leistungsübersicht stand – nachprüfbar über die verlinkte Quelle. Preise stehen bewusst nicht dabei: Sie ändern sich laufend, und der Aktionspreis sagt ohnehin wenig über die Kosten ab dem zweiten Jahr.

AnbieterPanelSSHPHP-Version wählbarBackupStandort
ALL-INKLeigenes Systemab dem Premium-Paketnicht in der Übersichtnicht in der Übersichteigene Server in Deutschland
HetznerkonsoleHab Webhosting LPHP 5/7/8 genannt, Umschaltung nichttägliche Backups genannteigene Rechenzentren in Nürnberg
IONOSnicht benanntin allen Tarifenja, PHP 8.2 bis 8.4 manuelltäglich, Speicher und Datenbankeneuropäische Infrastruktur, Standort nicht benannt
STRATOnicht benanntin allen TarifenPHP 8.4 genannt, Auswahl nichtBackupControl in allen Tarifendeutsche Rechenzentren
netcupPleskin allen Tarifennicht in der Übersichtnicht in der ÜbersichtDeutschland
MittwaldmStudionicht in der Übersichtnicht in der Übersichtnicht in der Übersichteigenes Rechenzentrum in Deutschland

“Nicht in der Übersicht” heisst nicht, dass das Merkmal fehlt. Es heisst, dass es auf der Verkaufsseite nicht steht und du vor dem Vertrag danach fragen musst – in der Dokumentation, im Hilfebereich oder beim Support. Genau das ist der eigentliche Befund dieser Gegenüberstellung.

Denn: Prozess- und Speicherlimits, das entscheidende Merkmal aus dem Abschnitt oben, stehen in keiner einzigen der sechs Übersichten. Ebenso wenig, ob du ein Backup selbst zurückspielen kannst oder ein Ticket schreiben musst. Beworben wird, was sich gut vergleichen lässt – Speicherplatz, Domains, Postfächer. Was die Seite unter Last trägt, steht in der Dokumentation, wenn überhaupt.

Der einzige Punkt, an dem die Übersichten deutlich auseinandergehen, ist SSH: Bei IONOS, STRATO und netcup ist der Zugang in jedem Tarif dabei, bei ALL-INKL und Hetzner erst ab der mittleren Stufe. Wer Composer, eigene Cronjobs oder Datenbank-Dumps braucht, hat damit ein hartes Ausschlusskriterium für die Einstiegstarife dieser beiden.

Auf dieser Seite stehen keine Partnerlinks – die Anbieterlinks oben sind Quellenangaben zur jeweiligen Leistungsübersicht. Wie sich die Seite finanziert, steht unter Über uns.

Fragen, die vor dem Vertrag zu klären sind

Fragewarum sie zählt
Wie viele gleichzeitige PHP-Prozesse erlaubt das Konto?bestimmt die Belastbarkeit
Wie lange werden Backups aufbewahrt, und wie oft?bestimmt, wie weit du zurück kannst
Kann ich Backups selbst einspielen?bestimmt die Ausfalldauer
Ist SSH enthalten?bestimmt die Arbeitsweise
Lässt sich die PHP-Version pro Domain setzen?bestimmt die Migrationsfreiheit
Wo stehen die Server?relevant für Auftragsverarbeitung und Latenz
Was kostet die Verlängerung nach dem ersten Jahr?oft ein Vielfaches des Einstiegspreises
Wie funktioniert die Kündigung, wie der Datenexport?verhindert Bindung durch Aufwand

Die vorletzte Zeile ist die mit den meisten Überraschungen. Aktionspreise für zwölf Monate sind üblich; der reguläre Preis danach steht im Kleingedruckten und liegt häufig deutlich darüber.

Wo der Standort tatsächlich zählt

Für die Ladezeit ist der Serverstandort weniger entscheidend, als oft angenommen – ein Rechenzentrum in den Niederlanden ist von Deutschland aus wenige Millisekunden entfernt.

Rechtlich sieht es anders aus: Bei einer Verarbeitung personenbezogener Daten brauchst du einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Anbieter innerhalb der EU stellen ihn standardmässig bereit. Bei Anbietern ausserhalb kommt die Frage der Übermittlung in Drittländer hinzu, und die will man sich für eine Firmenwebseite nicht einhandeln.

Selbst messen statt Werbeversprechen glauben

Alle Anbieter werben mit Geschwindigkeit. Messen lässt sie sich mit wenigen Zeilen:

# Zeit bis zum ersten Byte, zehn Läufe
for i in $(seq 1 10); do
  curl -so /dev/null -w '%{time_starttransfer}\n' https://example.com/
done | sort -n | awk '{a[NR]=$1} END {print "Median:", a[int(NR/2)+1]}'

Aussagekräftig wird das erst mit dem eigenen Projekt darauf. Eine statische Testseite antwortet überall schnell; interessant ist die Zeit, die eine echte Seite mit Datenbankabfragen braucht – und zwar zur Hauptlastzeit, nicht nachts.

Viele Anbieter bieten eine Testphase oder ein Widerrufsrecht. Die aussagekräftigste Bewertung ist ein echter Umzug einer Kopie des Projekts auf den neuen Tarif und eine Messung über ein paar Tage.

Häufige Fragen

Wie viel Speicherplatz brauche ich wirklich?

Eine typische Unternehmensseite mit einigen hundert Bildern liegt bei ein bis fünf Gigabyte. Wer nicht Videos oder hochauflösende Downloads ausliefert, wird die Grenze eines gängigen Tarifs nicht erreichen. Der Wert taugt deshalb kaum zur Unterscheidung.

Was bedeutet unbegrenzter Traffic?

In der Regel: kein hartes Limit, aber eine Fair-Use-Klausel in den Bedingungen. Wer dauerhaft deutlich mehr verbraucht als vergleichbare Kunden, wird kontaktiert oder gedrosselt. Für normale Webseiten ist das unkritisch.

Woran merke ich, dass ein Tarif zu klein ist?

An Antwortzeiten, die mit der Tageszeit schwanken, an 503- oder 508-Fehlern unter Last und an Prozessen, die vom Hoster abgebrochen werden. Im besten Fall stellt der Anbieter eine Anzeige der Ressourcennutzung bereit – dann sieht man es, bevor Besucher es merken.

Sollte ich Domain und Hosting beim selben Anbieter halten?

Nicht zwingend, und es hat sogar Vorteile, sie zu trennen: Bei einem Hosterwechsel bleibt die Domain unangetastet, und du behältst die Kontrolle über die DNS-Einträge, wenn es mit dem Hoster Probleme gibt.